Erneut Unmengen an schädlichem Plastikgranulat am Sylter Weststrand | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Erneut Unmengen an schädlichem Plastikgranulat am Sylter Weststrand

Kleine Körner, riesiges Problem.

Was da gerade an unserem Weststrand angespült wird, sieht unscheinbar aus – ist aber ein ernstes, weltweites Umweltproblem.

Die Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer wurde vorgestern, am 28. September, erneut darüber informiert, dass zwischen Westerland und Wenningstedt große Mengen Kunststoffgranulat angespült wurden. Gestern hat die Rangerin den Küstenabschnitt vom Klappholttal bis Wenningstedt kontrolliert. Das Ergebnis: Auf rund acht Kilometern wurde im Bereich des Weststrandes sehr viel Granulat gefunden.

Bei den kleinen Körnchen handelt es sich um Kunststoff-Pellets – den Rohstoff, aus dem später verschiedenste Kunststoffprodukte hergestellt werden. Aufgrund ihrer Größe zählen sie bereits zum primären Mikroplastik. Gelangen sie in die Umwelt, können Wind, Wellen und Meeresströmungen sie über große Entfernungen transportieren. Je nach Kunststoffart schwimmen die Pellets an der Oberfläche oder sinken ab und können sich im Sand und Sediment verteilen. Unter dem Einfluss von UV-Strahlung, Sauerstoff und mechanischer Belastung zerfallen sie mit der Zeit in immer kleinere Partikel. Kunststoff verschwindet dabei nicht einfach: In der Meeresumwelt kann sein Abbau Hunderte bis Tausende von Jahren dauern.

Wie groß die Dimension des Problems ist, zeigt der Blick über Sylt hinaus. Allein im Jahr 2021 wurden weltweit mehr als 360 Millionen Tonnen Kunststoff produziert. Für Kunststoff-Pellets wird geschätzt, dass jährlich rund 230.000 Tonnen in die Ozeane gelangen. Auch in Europa sind die Mengen erheblich: Untersuchungen von ICF und Eunomia gehen von bis zu 167.000 Tonnen Kunststoffgranulat aus, die jedes Jahr in die Umwelt gelangen.

Für die Tierwelt können die kleinen Pellets zur Falle werden. Seevögel können sie aus der Luft mit Nahrung verwechseln, auch Fische nehmen sie auf. Werden die Kunststoffpartikel mit der Zeit noch kleiner, können sie von immer kleineren Organismen aufgenommen werden – bis hin zum Plankton. So gelangen sie in die Nahrungskette und können sich durch das Ökosystem bewegen. Was am Strand beginnt, landet irgendwann auf unseren Tellern. Welche langfristigen Auswirkungen Mikroplastik auf Mensch und Umwelt hat, wird weiterhin erforscht. Die Aufnahme von Kunststoff durch Meerestiere und Seevögel ist jedoch vielfach dokumentiert.

Deshalb braucht es nicht nur Aufmerksamkeit für das, was heute am Strand liegt, sondern auch Konsequenzen für die Zukunft. Initiativen wie Operation Clean Sweep wollen Pelletverluste entlang der gesamten Produktions- und Transportkette verhindern. Kritiker bemängeln allerdings, dass solche Maßnahmen vielfach auf freiwilligen Selbstverpflichtungen beruhen. In einigen Regionen gibt es deshalb bereits verbindlichere Vorgaben zur Vermeidung von Pelletverlusten.

Was jetzt zählt: Bitte sammelt das Granulat nicht eigenständig ein und nehmt es nicht mit. Achtet besonders darauf, dass Kinder und Hunde die kleinen Kunststoffteilchen nicht verschlucken. Wenn ihr entsprechende Ansammlungen entdeckt, fotografiert sie, merkt euch den möglichst genauen Fundort und informiert noch vor der nächsten Flut die zuständigen Stellen.

Der aktuelle Fund auf Sylt ist noch nicht abschließend geklärt. Woher das Granulat stammt und wie es ins Meer gelangt ist, steht derzeit nicht fest. Klar ist aber: Kunststoff gehört nicht ins Meer – und schon gar nicht in unsere Nahrungskette.

Für Meldungen und weitere Informationen:
Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
www.lkn.schleswig-holstein.de
www.nationalpark-wattenmeer.de